{"id":112293,"date":"2023-01-18T17:14:24","date_gmt":"2023-01-18T17:14:24","guid":{"rendered":"https:\/\/furios-campus.de\/?p=44953"},"modified":"2023-01-18T17:14:24","modified_gmt":"2023-01-18T17:14:24","slug":"forschungswissen-fur-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/furios-campus.de\/2023\/01\/18\/forschungswissen-fuer-alle\/","title":{"rendered":"Forschungswissen f\u00fcr alle!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Open Science ist eine wissenschaftliche Praxis, bei der Forschungsergebnisse offen geteilt werden. Wie das Konzept an der FU umgesetzt wird, erkl\u00e4rt Dr. Christina Riesenweber im Gespr\u00e4ch mit <em>Mariya Martiyenko<\/em>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"1638\" height=\"933\" src=\"https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Open-Science-Interview.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-44955\" srcset=\"https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Open-Science-Interview.png 1638w, https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Open-Science-Interview-800x456.png 800w, https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Open-Science-Interview-768x437.png 768w, https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Open-Science-Interview-1536x875.png 1536w, https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Open-Science-Interview-1250x712.png 1250w, https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Open-Science-Interview-400x228.png 400w\" sizes=\"(max-width: 1638px) 100vw, 1638px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Dr. Christina Riesenweber leitet das Team Open Access und wissenschaftliches Publizieren an der FU-Universit\u00e4tsbibliothek. Foto\/Montage: Mariya Martiyenko<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Riesenweber, l\u00e4sst sich Open Science in allen Bereichen der Wissenschaft gut umsetzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mein Arbeitsschwerpunkt, <a href=\"http:\/\/www.fu-berlin.de\/open-access\">Open Access<\/a>, ist mittlerweile sehr weit verbreitet. Open Access bedeutet, dass Forschungsergebnisse in Form von Publikationen nicht hinter einer Paywall erscheinen, sondern f\u00fcr alle frei einsehbar sind. Es gibt Elemente offener Wissenschaft, die f\u00fcr alle Disziplinen geeignet sind \u2013 offene Begutachtungssysteme zum Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Open Science impliziert, dass nicht nur die Ergebnisse, sondern z.B. auch die Daten, die dieser Forschung zugrunde liegen, ver\u00f6ffentlicht werden. In Sozialwissenschaften, wo sehr viel mit personenbezogenen Daten gearbeitet wird, ist das schwieriger als beispielsweise in der Meteorologie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie profitiert die breite \u00d6ffentlichkeit von Open Science?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Vorteil ist, dass politischen Entscheidungstr\u00e4ger*innen die Ergebnisse sehr fr\u00fch zur Verf\u00fcgung stehen. In der Pandemie haben insbesondere Open Access und Preprints eine wichtige Rolle gespielt. Bei diesen Vorab-Publikationen handelt es sich um Forschungsergebnisse, die ver\u00f6ffentlicht werden noch bevor sie den Peer-Review-Prozess durchlaufen sind. Damit muss nat\u00fcrlich behutsam umgegangen werden. Zu Beginn der Pandemie gab es zum Beispiel Preprints zur Wirksamkeit von Masken, sodass Regelungen schon fr\u00fch getroffen werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie gro\u00df ist die Gefahr von Falschinformationen durch Preprints?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich kann es passieren, dass nicht korrektes Wissen weitergegeben wird. Das setzt aber voraus, dass ignoriert wird, dass die Ergebnisse noch begutachtet und bis dahin mit Vorsicht genossen werden m\u00fcssen. Das hat gar nicht so viel mit Open Access zu tun, sondern mit der Gewissenhaftigkeit, mit der im Journalismus mit wissenschaftlichen Quellen umgegangen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche M\u00f6glichkeiten gibt es, Qualit\u00e4tskontrolle sicherzustellen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Prozess der Qualit\u00e4tssicherung unterscheidet sich nicht zwischen geschlossenen und offenen Publikationen. Das hei\u00dft, es gibt weiterhin gute und schlechte, gewissenhafte und weniger gewissenhafte Publikationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterm Strich f\u00fchrt offene Wissenschaft dazu, dass es leichter wird, schlechte Wissenschaft zu identifizieren. Wenn Gutachten transparent durchgef\u00fchrt werden und Informationen frei verf\u00fcgbar sind, k\u00f6nnen Schummler*innen einfacher entdeckt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Journal <\/strong><strong><em>Nature<\/em><\/strong><strong> verlangt 9.500 US-Dollar f\u00fcr eine Open Access Publikation. Hat die FU die finanziellen Mittel, alle Ergebnisse offen zu publizieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ungef\u00e4hr 70 Prozent der neuen Forschungsliteratur der FU werden bereits Open Access ver\u00f6ffentlicht. Zu Beginn haben wir uns das aber g\u00fcnstiger vorgestellt. Die gro\u00dfen Verlage haben aber mittlerweile auf Open Access umgestellt und ihre Preise angepasst. Die <em>Deutsche Forschungsgemeinschaft<\/em> hat vor einigen Jahren 2000 Euro als Obergrenze f\u00fcr die Publikationsgeb\u00fchr festgelegt, die von den Institutionen an die Verlage gezahlt wird. Wir haben an der FU die M\u00f6glichkeit, in diesem Rahmen Publikationen zu finanzieren \u2013 unter bestimmten Bedingungen. F\u00fcr <em>Nature<\/em> machen wir tats\u00e4chlich eine Ausnahme.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser aktuelles Ziel ist, Publizieren wieder bezahlbarer zu machen. Wir bauen daher wissenschaftseigene Infrastrukturen auf. Im Rahmen der <em>Berlin University Alliance<\/em> haben wir zum Beispiel gerade einen Open-Access-Verlag gegr\u00fcndet, <a href=\"https:\/\/www.berlin-universities-publishing.de\/\"><em>Berlin Universities Publishing<\/em><\/a>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auf welche Herausforderungen sto\u00dfen Sie bei der gro\u00dffl\u00e4chigen Umsetzung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich unterst\u00fctzt offene Wissenschaft die Wissensgenerierung. Sie erleichtert es, \u00fcber Ergebnisse zu sprechen, sie miteinander zu teilen und darauf aufzubauen. Es gibt jedoch eine Reihe von Gr\u00fcnden, warum sich nicht alle Wissenschaft offenlegen l\u00e4sst. Das gilt insbesondere, wenn mit Menschen geforscht wird. Der Umgang mit personenbezogenen Daten unterliegt klaren Regelungen. Daran sollte auch nicht ger\u00fcttelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem stellt sich die Frage nach den Folgen f\u00fcr wissenschaftliche Karrieren. Hier wird deutlich, dass die Wissenschaft ein sich selbst reproduzierendes soziales System ist, das an Traditionen festh\u00e4lt. Denn die Personen, die in dem aktuellen System an wichtige Positionen gekommen sind, neigen dazu, daran auch festzuhalten. Die neue Generation von Wissenschaftler*innen hat so mitunter Schwierigkeiten, umfassende Ver\u00e4nderungen zu bewirken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was w\u00fcnschen Sie sich f\u00fcr die Zukunft von Open Science?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass im Zuge von Open Science der Wechsel von Konkurrenz zu Kooperation in der Wissenschaft stattfindet. Wir sollten uns immer fragen: Was gewinnen wir, wenn wir zusammenarbeiten und unser Wissen teilen? Ich glaube, das ist der einzige Weg aus den Krisen, mit denen wir heutzutage konfrontiert sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Open Science ist eine wissenschaftliche Praxis, bei der Forschungsergebnisse offen geteilt werden. 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