{"id":122116,"date":"2023-03-27T16:41:08","date_gmt":"2023-03-27T16:41:08","guid":{"rendered":"https:\/\/furios-campus.de\/?p=45459"},"modified":"2023-03-27T16:41:08","modified_gmt":"2023-03-27T16:41:08","slug":"unsichtbar-zu-welchem-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/furios-campus.de\/2023\/03\/27\/unsichtbar-zu-welchem-preis\/","title":{"rendered":"Unsichtbar \u2013 Zu welchem Preis?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Unsichtbar werden &#8211; geht das wirklich? Neueste Techniken zeigen: Ja, das ist m\u00f6glich! In der Forschung und der Dual-Use Debatte wird das Thema jedoch heikel diskutiert.<\/strong> <strong>Lena Stein gibt einen \u00dcberblick.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"1573\" height=\"885\" src=\"https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Chameleon.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-45460\" srcset=\"https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Chameleon.png 1573w, https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Chameleon-800x450.png 800w, https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Chameleon-768x432.png 768w, https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Chameleon-1536x864.png 1536w, https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Chameleon-520x292.png 520w, https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Chameleon-720x404.png 720w, https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Chameleon-1250x703.png 1250w, https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Chameleon-400x225.png 400w\" sizes=\"(max-width: 1573px) 100vw, 1573px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Tarnmethode der Cham\u00e4leons gibt neue Inspiration. Illustration: Ric Sander Bohmann.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Seit Jahrhunderten sind Menschen von Unsichtbarkeit fasziniert. Sich unsichtbar machen zu k\u00f6nnen, verschafft Vorteile, die sogar \u00fcberlebensnotwendig sein k\u00f6nnen. Wer unentdeckt und im Geheimen agiert, hat beispielsweise bei einem Kampf den \u00dcberraschungesffekt auf der eigenen Seite. Menschen orientieren sich an den Tarnstrategien von Tieren, um durch optisch t\u00e4uschende Muster mit ihrer Umgebung zu verschmelzen. Ein typisches Beispiel sind die Camouflage-Uniformen der Bundeswehr. Wirklich unsichtbar sind sie dadurch nicht. Anders dagegen Harry Potter: Sein Unsichtbarkeitsumhang wird zur direkten Waffe im Kampf gegen Voldemort. Dennoch ist echte Unsichtbarkeit l\u00e4ngst nicht mehr nur Teil von Science-Fiction und Fantasy-Romanen. Forschende arbeiten seit Jahren an der Konzipierung eines Unsichtbarkeitsumhangs.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Metamaterialien bieten neue M\u00f6glichkeiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Welche physikalische Beschaffenheit ein solcher Umhang br\u00e4uchte, beschreibt John Howell, Professor f\u00fcr Physik an der <em>University of Rochester, <\/em>auf dem News-Portal der Universit\u00e4t: \u201eEs gibt viele High-Tech-Ans\u00e4tze zum Tarnen und die Grundidee dahinter ist, Licht zu nehmen und es um etwas herumgehen zu lassen, als ob es nicht da w\u00e4re, oft unter Verwendung von High-Tech- oder exotischen Materialien.&#8221; Das menschliche Auge ben\u00f6tigt Licht zum Sehen. Wenn dieses auf ein Objekt trifft, wird es auf der Netzhaut absorbiert und vom Sehnerv ins Gehirn geleitet, um verarbeitet zu werden. Durch die Reflektion oder Absorption von Licht wird es m\u00f6glich, Formen und Farben zu erkennen und zu unterscheiden. Soll ein Objekt unsichtbar gemacht werden, m\u00fcssen also die Eigenschaften des Objekts so ver\u00e4ndert werden, dass Licht weder reflektiert noch absorbiert wird.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>An der <em>Duke University <\/em>wird an einem Ansatz f\u00fcr ein Material mit diesen Eigenschaften geforscht. 2006 wurden dort erstmals sogenannte Metamaterialien konzipiert. Diese haben physikalische Eigenschaften, die in der Natur sonst nicht vorkommen \u2013 zum Beispiel einen negativen Brechungsindex. In der Natur vorkommende Materialien haben meist positive Werte. Durch diesen sind die Metamaterialien im Stande, Licht um Objekte herumzuleiten. Das Licht verh\u00e4lt sich dann wie Wasser, das um einen Stein herum flie\u00dft und l\u00e4sst das Objekt f\u00fcr das menschliche Auge unsichtbar werden. Die meisten Metamaterialien bestehen aus sehr d\u00fcnnen Silber- und Kieselerde-Dr\u00e4hten. Diese sind jedoch unbeweglich und kostspielig, so dass sich bisher noch kein Unsichtbarkeitsumhang daraus herstellen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was, wenn die Forschung zweckentfremdet wird?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Forschung zur Unsichtbarmachung ist ethisch keinesfalls unbedenklich. Eine Entdeckung oder Erfindung kann auch immer zu anderen Zwecken als dem eigentlichen Forschungsgrund missbraucht werden. Diese Problematik ist auch unter dem Begriff <em>Dual-Use <\/em>bekannt. Lisanna Kelz studiert am<em> Otto-Suhr-Institut f\u00fcr Politikwissenschaft <\/em>der <em>FU <\/em>und leitet ein studentisches Forschungsseminar, ein sogenanntes <em>X-Tutorial,<\/em> zu <em>Ambivalenzen der (Berliner) Wissenschaften und unsere Verantwortung als Forschende. <\/em>Sie erkl\u00e4rt, der Begriff des Dual-Use beschreibe in der Wissenschaft jene Forschung, die \u201ef\u00fcr zivile Zwecke durchgef\u00fchrt wird, deren Ergebnisse jedoch milit\u00e4risch zweckentfremdet werden k\u00f6nnen.&#8221; Das <em>X-Tutorial<\/em> frage nach einem potenziellen Risiko durch eine Zweckentfremdung von Forschungsergebnissen, wobei hierbei die Vor- und Nachteile abgewogen w\u00fcrden. \u201eIn einem weiter gefassten Dual-Use Verst\u00e4ndnis w\u00fcrde man sich eher die Frage nach guter Wissenschaft stellen und Forschung danach unterteilen, ob sie n\u00fctzlich oder sch\u00e4dlich f\u00fcr die Gesellschaft ist.&#8221; Eine explizite Definition des Begriffes gebe es dennoch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Lisannas Einsch\u00e4tzung k\u00f6nnte die Forschung zur Unsichtbarkeit einen klassischen Fall von Dual-Use darstellen, da \u201edie Ergebnisse zum Einsatz von Gewalt, zum Beispiel milit\u00e4rischer oder terroristischer Natur, zweckentfremdet werden und dabei gro\u00dfen Schaden nach sich ziehen k\u00f6nnten.&#8221; Ein Beispiel daf\u00fcr, welche Vorteile es bringen kann, Objekte unsichtbar zu machen, zeigt ein Forschungsergebnis der <em>University of Rochester. <\/em>Dort gelang es John Howell und Joseph Choi mit vier normalen Glaslinsen durch Objekte hindurchzuschauen. Das Licht wird so umgeleitet, dass der Hintergrund optisch ungest\u00f6rt bleibt. So k\u00f6nnten Chirurg*innen beispielsweise durch ihre Finger hindurchsehen, w\u00e4hrend sie operieren. Diese Methode ist im Gegensatz zu Metamaterialien g\u00fcnstig und mit Alltagsgegenst\u00e4nden aus dem Labor realisierbar, dennoch hat auch sie ihre Grenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere M\u00f6glichkeit, Objekte f\u00fcr alle Blickwinkel verschwinden zu lassen und die Statik zu umgehen, kommt aus der Tierwelt: Cham\u00e4leons \u00e4ndern ihre Hautfarbe, indem sie die Umgebung auf der anderen Seite nachahmen, sodass sie scheinbar unsichtbar werden. Durch kleine Sensoren und winzige Linsen kann der Mensch diese Methode bereits anwenden. Die Sensoren projizieren hierbei ihren Hintergrund auf die Linsen, die diesen dann auf die Vorderseite spiegeln. Hier zeigt sich die Problematik des Dual-Use: Auch das britische Milit\u00e4r ist an der Methode interessiert, durch sie k\u00f6nnte es bereits in wenigen Jahren m\u00f6glich sein, ganze Panzer unsichtbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nutzen vs. Schaden: Was f\u00e4llt mehr ins Gewicht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lisanna erkl\u00e4rt, wie ihrer Meinung nach mit einer solchen Ambivalenz umgegangen werden sollte: \u201eNutzen und Schaden werden gegen\u00fcbergestellt. Aber wenn eine bestimmte Grenze \u00fcberschritten ist, also ein bestimmter Grad an potenziellen katastrophalen Folgen erwartbar ist, spielt der Nutzen, ganz gleich wie hoch, keine Rolle mehr&#8221;. Dabei m\u00fcsse man fragen, was Schaden \u00fcberhaupt sei und wer die Deutungshoheit besitze, Schaden als Schaden zu deklarieren. Im allgemeinen Verst\u00e4ndnis beschreibe Schaden jene Konsequenzen, die gegen (Menschen-)Rechte versto\u00dfen oder einen enormen Nachteil f\u00fcr Menschen, Tieren oder Umwelt darstellen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00e4den k\u00f6nnen durch freiwillig eingef\u00fchrte Zivilklauseln und Kommissionen f\u00fcr Ethik sicherheitsrelevanter Forschung <em>(KEF) <\/em>vorgebeugt werden. Diese bewerten anhand verschiedener Fragen, ob die Forschungsprojekte ethisch vertretbar sind oder nicht. An der <em>FU<\/em> gibt es daf\u00fcr eine eigene <em>KEF<\/em>-Stelle, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzt. Eine Zivilklausel, wie an der <em>TU <\/em>bereits seit 1991 und an der <em>HU<\/em> seit 2013, gibt es an der <em>FU <\/em>nicht. Seit Jahren fordern unterschiedliche Hochschulgruppen die Einf\u00fchrung einer umfassenden Zivilklausel an der <em>FU<\/em>. Auch in diesem Jahr hat die Hochschulgruppe <em>Klasse gegen Klasse <\/em>die Forderung in ihr Wahlprogramm f\u00fcr das Studierendenparlament aufgenommen. Ob die <em>FU <\/em>dies zeitnah umsetzen wird, bleibt offen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsichtbar werden &#8211; geht das wirklich? Neueste Techniken zeigen: Ja, das ist m\u00f6glich! In der Forschung und der Dual-Use Debatte wird das Thema jedoch heikel diskutiert. 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