{"id":124153,"date":"2023-06-14T14:23:44","date_gmt":"2023-06-14T14:23:44","guid":{"rendered":"https:\/\/furios-campus.de\/?p=45677"},"modified":"2023-06-14T14:23:44","modified_gmt":"2023-06-14T14:23:44","slug":"im-schatten-des-lichts-der-aufklarung-emilie-du-chatelet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/furios-campus.de\/2023\/06\/14\/im-schatten-des-lichts-der-aufklaerung-emilie-du-chatelet\/","title":{"rendered":"Im Schatten des Lichts der Aufkl\u00e4rung: \u00c9milie du Ch\u00e2telet"},"content":{"rendered":"\n<p>Sie war zweifellos eine der bedeutendsten Naturwissenschaftlerinnen ihrer Zeit, trotzdem wird ihr Name heute nur noch mit Voltaire verbunden. <em>Constanze Baumann<\/em> portr\u00e4tiert&nbsp; in der ersten Folge von <em>Zur\u00fcck ins Rampenlicht<\/em> das au\u00dfergew\u00f6hnliche Leben und Schaffen der \u00c9milie du Ch\u00e2telet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/EmilieduChatelet.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-45678\" width=\"596\" height=\"842\" srcset=\"https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/EmilieduChatelet.png 596w, https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/EmilieduChatelet-566x800.png 566w, https:\/\/furios-campus.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/EmilieduChatelet-400x565.png 400w\" sizes=\"(max-width: 596px) 100vw, 596px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">F\u00fcr sie war es im 18. Jahrhundert nicht leicht: \u00c9milie du Ch\u00e2telet brannte f\u00fcr ihre Forschung. Illustration: Constanze Baumann<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00c9milie wird im Winter 1706 in Paris in ein hocharistokratisches Milieu geboren, was ihr den Zugang zu einer breitgef\u00e4cherten Bildung erm\u00f6glicht. Sie erh\u00e4lt nicht nur eine typische \u201eFrauenbildung\u201c, wie es zu dieser Zeit in adeligen Kreisen \u00fcblich ist, sondern hat Zugang zur exakt gleichen Ausbildung wie ihre f\u00fcnf Br\u00fcder. Ihre Eltern erkennen schnell ihren \u00fcberdurchschnittlichen Intellekt und setzen alles daran, ihre Tochter bestm\u00f6glich zu f\u00f6rdern. Entgegen der gesellschaftlichen Konventionen wird \u00c9milie dabei unterst\u00fctzt, ihren uners\u00e4ttlichen Wissensdurst zu stillen. Eine derart umfassende Bildung ist nach der Rollenverteilung, in die Frauen im 18. Jahrhundert gezwungen werden, sehr selten. Sie wird im Fechten und im Reitsport ausgebildet, lernt Singen, Tanzen, Theaterspielen sowie zahlreiche Sprachen. Au\u00dferdem wird sie von exzellenten Lehrern in Mathematik, Literatur und Naturwissenschaften unterrichtet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unerm\u00fcdliche Forschungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit&nbsp; 19 Jahren wird \u00c9milie an einen doppelt so alten Marquis verheiratet. Nachdem sie drei Kinder geboren hat, gibt sie sich erneut ihren wissenschaftlichen Interessen hin und unterh\u00e4lt zahlreiche au\u00dfereheliche Beziehungen. So befreit sie sich ein St\u00fcck weit aus der ihr zugeschriebenen gesellschaftlichen Rolle und beansprucht ihre Selbstbestimmung zur\u00fcck. In den Pariser Gesellschaften lernt sie schlie\u00dflich auch den Philosophen und Schriftsteller Voltaire kennen, zu dem sie rasch eine Liebesbeziehung entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schloss <em>Cirey <\/em>in der Champagne wird f\u00fcr du Ch\u00e2telet und Voltaire zu einem gemeinsamen R\u00fcckzugsort. Hier f\u00fchren sie von fr\u00fch bis sp\u00e4t physikalische Experimente durch und er\u00f6rtern stundenlang wissenschaftliche Themen. Aus ihrer kollektiven Forschungsarbeit geht das Werk <em>\u00c9l\u00e9ments de la philosophie de Newton <\/em>hervor, welches die Erkenntnisse Isaac Newtons \u2013 der bis dato in Frankreich kaum bekannt ist \u2013 einem breiten Publikum verst\u00e4ndlich darlegt. Der Text ist zwar aus der Feder Voltaires, die Gedankenarbeit aber stammt haupts\u00e4chlich von du Ch\u00e2telet. Voltaire soll angeblich selbst gesagt haben, dass sie ihm den ganzen Text diktiert und er ihn lediglich aufgeschrieben habe. Trotzdem gibt Voltaire am Ende nur sich selbst als Autor an. Ihren Namen erw\u00e4hnt er einzig im Vorwort und bildet sie zu allem \u00dcberfluss auch noch mit halbnacktem Oberk\u00f6rper auf dem Cover des Buches ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Du Ch\u00e2telet forscht nichtsdestotrotz unabl\u00e4ssig weiter. In den folgenden Jahren besch\u00e4ftigt sie sich erneut mit Newtons Arbeit und \u00fcbertr\u00e4gt das Hauptwerk des Physikers, die <em>Principia Mathematica<\/em>, aus dem Lateinischen ins Franz\u00f6sische. Sie \u00fcbersetzt dabei nicht nur im w\u00f6rtlichen Sinne, sondern kommentiert Newtons Theorien und \u00fcberf\u00fchrt diese in die mathematische Sprache der Infinitesimalrechnung des Philosophen und Mathematikers Gottfried Wilhelm Leibniz. Dadurch tr\u00e4gt sie ma\u00dfgeblich dazu bei, dass die Theorien von Leibniz und Newton in ganz Europa popularisiert werden, was darauffolgende Forschungsergebnisse \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht. Zudem zeigt sie, dass sich die bisher kontr\u00e4r gedachten Konzepte Newtons und Leibniz\u2019 gegenseitig erg\u00e4nzen k\u00f6nnen. In ihrem monumentalen Werk <em>Institutions Physiques<\/em> vereint sie die Physik Newtons und die Metaphysik von Leibniz ein weiteres Mal.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Als Frau in einer M\u00e4nnergesellschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1749 stirbt du Ch\u00e2telet mit nur 43 Jahren in Lun\u00e9ville. Ihre Arbeit wird zun\u00e4chst fast vollkommen verdr\u00e4ngt. So werden nach ihrem Tod beispielsweise ganze Passagen von ihr in der ber\u00fchmten <em>Encyclop\u00e9die <\/em>abgedruckt, ohne sie dabei als eigentliche Urheberin anzugeben. Erst in j\u00fcngster Zeit wird ihr Name rehabilitiert und ihr Verdienst in den Wissenschaften anerkannt. Es ist ihr zu verdanken, dass die Erkenntnisse von Newton und Leibniz in ganz Europa verbreitet wurden.\u00a0 Da sie als Frau damals nie ernst genommen worden w\u00e4re, musste sie stets anonym publizieren. Der Ruhm, der ihren m\u00e4nnlichen Wegbegleitern verg\u00f6nnt war, blieb ihr aufgrund ihres Geschlechts deshalb zeitlebens stets verwehrt. In ihrer <em>Rede \u00fcber das Gl\u00fcck <\/em>stellt sie genau das fest: M\u00e4nner k\u00f6nnen sich auf verschiedensten Wegen selbstverwirklichen und dadurch gl\u00fccklich werden, w\u00e4hrend Frauen von diesen M\u00f6glichkeiten komplett ausgeschlossen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie war zweifellos eine der bedeutendsten Naturwissenschaftlerinnen ihrer Zeit, trotzdem wird ihr Name heute nur noch mit Voltaire verbunden. Constanze Baumann portr\u00e4tiert\u00a0 in der ersten Folge von Zur\u00fcck ins Rampenlicht das au\u00dfergew\u00f6hnliche Leben und Schaffen der \u00c9milie du Ch\u00e2telet.<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/furios-campus.de\/2023\/06\/14\/im-schatten-des-lichts-der-aufklaerung-emilie-du-chatelet\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2213,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24206,22509,23802,24207,22089,24204],"tags":[],"class_list":["post-124153","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-emilie-du-chatelet","category-forschung","category-geschichte","category-geschlechterungleichheit","category-wissenschaft","category-zuruck-ins-rampenlicht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discomedia.nl\/media\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124153","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discomedia.nl\/media\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discomedia.nl\/media\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discomedia.nl\/media\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2213"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discomedia.nl\/media\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=124153"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.discomedia.nl\/media\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124153\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":124457,"href":"https:\/\/www.discomedia.nl\/media\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124153\/revisions\/124457"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discomedia.nl\/media\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=124153"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discomedia.nl\/media\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=124153"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discomedia.nl\/media\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=124153"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}